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Duke and Battersby, Steve Reinke, Turner Prize*, Joshua and Zakary Sandler, Marisa Hoicka

Purrr Verts

2. November - 14. Dezember 2014

Eröffnung: Samstag, den 01. November 2014, 19 Uhr
Finissage: Sonntag, den 14. Dezember 2014, 14 - 17 Uhr

Öffnungszeiten Sa-So 14-17 Uhr u. nach Vereinbarung

Kuratiert von Evan Tyler
Mitarbeit: Theresia Stipp


Die 3-Raum-Videoinstallation Purrr...Verts zeigt Videoarbeiten von Künstlern aus Kanada und den USA, die sich mit Perversionen, grotesken Situationen und gestörten Familienverhältnissen auseinandersetzen. Es sind verdrehte aber ehrgeizige Portraits des Unterbewusstseins, die zeigen wie absurd das Leben sein kann – so schräg, dass man manchmal gar nicht glauben will, was da gerade eigentlich passiert.

Purrr...Verts zeigt Arbeiten von Duke and Battersby (Syracuse,NY, USA), Steve Reinke (Chicago,ILL, USA); Turner Prize* (Regina,SK/Toronto,ON, Canada), Joshua and Zakary Sandler (New York, NY, USA) und Marisa Hoicka (Toronto, ON, Canada). Kuratiert wird die Ausstellung von dem Künstler-Kurator Evan Tyler (Toronto, ON, Canada), dessen erfindungsreicher Einleitungstext als Rahmen für die Videoarbeiten dient. Insgesamt untergräbt die Ausstellung intellektuelle Rechtfertigungsversuche menschlichen Verhaltens. Es geht darum, die Widersinnigkeiten unserer Existenz zu entdecken und zu verarbeiten.

„Als ich in die Mittelstufe ging, spielte ich häufig mit Bella, der Katze meines Freundes Matthew Hovand, wenn ich bei den Hovands zu Besuch war. Matthew und sein Dad nannten Bella immer 'ne „kleine Lesbe“, weil sie gerne andere weibliche Katzen ableckte und befummelte, und Sachen machte, das die beiden als „Homo-Zeug“ bezeichneten. Mir tat es immer Leid, dass Bella so abschätzig und grausam von Matthew und seinem Dad behandelt wurde. Die Hovands hatten auch einen Hund, den sie vergötterten, einen Golden Retriever, der Bruce hieß. Bruce war der ganze Stolz der Familie Hovand. Matthews Vater sagte immer:

„Das ist doch mal ein Tier, auf das man stolz sein kann. Ein wahrer, treuer Freund, ein reinrassiges Tier. Was man ja über dieses perverse Katzenvieh nicht sagen kann. Wo zum Teufel geht dieses verdammte Ding nachts überhaupt hin?– Perverses Katzenvieh.“

Bella war mir gegenüber sehr misstrauisch, wenn ich sie zu streicheln versuchte. Wäre ich bei den Hovands aufgewachsen, würde ich Männer wahrscheinlich auch verabscheuen. Über die Jahre hinweg freundete sich Bella jedoch mit mir an, wobei sie zu ihren Besitzern weiterhin distanziert blieb. Ich fragte mich damals häufiger, warum die Hovands Bella überhaupt behielten, wo sie doch schon ihren tollen Rassehund hatten. Warum hielt man sich eine Katze, deren einzige Rolle in der Familie es war, von ihr verspottet und verhöhnt zu werden?

Einmal war ich mit Matthew bei ihm zu Hause verabredet. Ich hatte beschlossen, ein kleines bisschen früher hinzugehen, um ihn mit meinen neu erworbenen Zeichenstiften zu überraschen. Als ich dort ankam, klopfte ich einige Male, aber es öffnete niemand. Ich stieg also die dunkelrot und schwarz gestrichenen Stufen zum muffig riechenden Keller hinab und mir wurde klar, dass Matthew mein Klopfen sehr wahrscheinlich nicht hören konnte, weil der Prince-Song „Little Red Corvette“ dröhnend durch die Sound-Anlage im Keller schallte. Die Hovands waren immer auf dem aktuellsten Stand, was die technischen Errungenschaften des Home Entertainments betraf.

Die Tür zu Matthews Zimmer war so weit offen, dass ich seinen blanken Hintern sehen konnte, der im Rhythmus des Prince-Songs heftig kreiste. Ich zog mich leise zurück, da ich annahm, Matthew war noch dabei sich einen runter zu holen, weil er mich ja auch später erwartete. Als ich gerade die Stufen zurück nach oben nehmen wollte, erhaschte ich einen flüchtigen Blick darauf, was Matthew tatsächlich gerade in seinem Zimmer trieb. Sein nackter Körper drehte sich zur Seite und ich blieb wie angewurzelt stehen. Ich sah, wie wie er etwas, das wie Joghurt aussah, über seinen von Schweiß glänzenden, dicklichen Körper, von den Genitalien bis zur Brust, schmierte, und von Bella heftig ablecken ließ.

Von diesem Tag an wusste ich, dass ich jederzeit Zeuge verwirrter Liebesakte zwischen ängstlichen Jungs und ängstlichen Katzentieren werden konnte. Mir wurde klar, dass ich allein mit meiner Offenheit war, ein Mann zu sein, der Katzen in der Öffentlichkeit liebte.“

Evan Tyler


Mehr Infos: www.purrrverts.com